Kinderlogik


„Oma, hast du mich lieb?“

„Ja, natürlich!"

„Das weiß ich doch.“

„Du hast gefragt.“

„Ja, weil die Antwort so schön im Bauch bitzelt.“

Gewalt und ihre Folgen


Das Kind gewalttätiger Eltern wird als Kind nicht aufhören seine Eltern zu lieben. Aber, es wird aufhören sich selbst lieb zu haben.

Voller Misstrauen und Angst verliert es seinen inneren Kompass,
erstickt an den für ihn nicht händelbaren emotionalen Widersprüchen.

Erwachsenen geworden, taumelt es durch eine ihm unverständlich unzugängliche Welt, verstrickt sich in einen irrationalen Strudel aus Schuld, Sühne und Vergebung.

Ständig auf der Suche nach einem Selbst, das ihm doch in einer Zeit abhanden kam, der es sich nur in Schrecken nähern kann.

Jeder Schritt ein Minenfeld. Damals und heute.

Anspruch


Ich weiß nicht, und ich kann nicht wissen,
wie mir unbekannte Eltern unter unbekannten Bedingungen
ein mir unbekanntes Kind erziehen können.
Janusz Korczak

Deshalb ist der im pädagogischen Diskurs oftmals erhobene Anspruch, ein für alle Mal und allgemein gültig zu wissen, dass, ob und wie „Erziehung“ zu funktionieren habe, schlichtweg immer ein anmaßender.

Training


„Eltern sind die Knochen, an denen Kinder ihre Zähne wetzen.“
Peter Ustinov

Kennen wir nicht alle dieses Phänomen, dass zu Hause die Kinder manchmal richtige Zornbündel sind, uns ihre Gefühlswallungen von 0 auf 100 und zurück in einem Affentempo überrollen, wir um jeden Mist rumdiskutieren müssen, uns dagegen von außen, zum Beispiel nach dem Besuch bei Freunden, von diesen mitgeteilt wird, dass unsere Kinder ja so toll vorbildlich in ihrem Sozialverhalten seien? Des Rätsels Lösung: Natürlich wird das gesamte Spektrum von Gefühlsäußerungen an dem Ort trainiert, ausprobiert und durchgeschmeckt, an dem man sich sicher, geborgen und bedingungslos geliebt fühlt. Völlig normal und unterm Strich ein riesengroßes Kompliment. Vertrauen und Gelassenheit sind hier die Zutaten, die benötigt werden.

Die "gute" Mutter


„Für das Wohl ihrer Kinder sollte eine gute Mutter halt das bisschen Leiden durch ihren Arschlochmann in Kauf nehmen. Sind doch nur ein paar Jahre bis die Kinder groß sind.“

Mit so einer Haltung der Mehrheit in der Gesellschaft bin ich aufgewachsen und dachte, sie sei mittlerweile längst Geschichte. Und da sitze ich vor einigen Tagen in einer Gesprächsrunde mit vorgeblich klugen Menschen und höre genau dieses dämliche Geblubber wieder. Da kann man doch nur heulen.

Noch viel erschreckender ist jedoch, dass anscheinend wirklich noch immer so viele Männer und Frauen diesen Glaubenssatz, dass die Frau/Mutter Demütigungen, Verletzungen und Erniedrigungen durch ihren Beziehungspartner hinzunehmen habe, weil es das Beste für die Kinder sei, sich nicht voneinander zu trennen, mit sich herum tragen.

Nein!, es ist nicht das Beste für ein Kind in solch einer Beziehung aufzuwachsen. In so einer "Familie" gibt es keinen Schutz, keine Sicherheit, keine Verlässlichkeit, keinen Raum für Liebe und gegenseitigen Respekt, keine positiven Identifikationsfiguren und Vorbilder. Im Netz einer solchen Konstellation gefangen, lernen sie vor allem eines: Gewalt, Lügen, Leiden, Ertragen, Schweigen, Dulden seien akzeptierte Zutaten einer normalen Partnerschaft. Das ist prägend und hat verheerende Auswirkungen auf ihr ganzes zukünftiges Leben.

Mich gruselt es.

Weihnachtsgeschichte



„Erzählten Sie Ihren Kindern und erzählen Sie jetzt Ihren Enkelkindern denn die Weihnachtsgeschichte, Frau Müller?“

„Ja, natürlich.“

„Aber, Sie sind ja keine Christin.“

„Stimmt, bin ich nicht. Aber ich denke schon, dass Kinder, wenn sie es wollen, verstehen dürfen, warum dieses Fest gefeiert wird. Es ist eine Geschichte aus unserer Menschengeschichte. Ich erzähle ja auch viele andere Geschichten aus der Geschichte und helfe beim Einordnen. Was bei den kleinen Kindern zuerst hängen bleibt, ist das Wunder der Geburt und die Freude darüber. So viele unterschiedliche Menschen und andere Wesen kommen deshalb zu Besuch und bringen Geschenke mit. Ich finde das eine schöne Erzählung und Metapher. Gleichzeitig haben wir ja auch die Wintersonnenwende in diesen Tagen. Auch ein Grund zur Freude. Kleine Kinder verstehen das sehr gut und ordnen erstmal alles in ihr magisches Denken ein. Das finde ich bereichernd. Über den ganzen Rattenschwanz der daran hängenden Ideologien und ihren Auswirkungen reden wir dann in späteren Jahren.“

Spielzeug


Spielzeug. Aussortieren, wegpacken, verschenken - niemals ohne das Kind! Kann sehr böse ins Auge gehen, ist anmaßend, verletzend und übergriffig.  Meine Erfahrung: Ich habe einmal den Fehler gemacht (und dann nie! wieder), dass ich etwas weiter gegeben habe, ohne das Kind vorher zu fragen. Jetzt ist das Kind 29 und reibt es mir immer mal wieder empört unter die Nase.

Und nein, ich halte nichts, aber auch gar nichts von dem Bestrafungsritual, dass man Spielzeug entzieht, weil das Kind nicht "brav" war. Ich nenne so etwas Erpressung oder gar Diebstahl. Würde ich mir als Erwachsene niemals bieten lassen. Warum sollte es dann bei einem Kind auch nur in irgendeiner Weise gerechtfertigt sein?